Scientainment
00:00:00: Der Durchblick wird unterstützt von Gebert
00:00:03: Räufstiftig.
00:00:06: Damit die Polizei ihn fassen konnte, wurden hunderte von Augenzügen befragt.
00:00:25: Sie haben den Horror dieser Partie-Nacht hautnah mit erlebt und ich frage mich wie schwierig ist es sich nach so einem dramatischen Ereignis noch richtig als Geschehen erinnern zu können?
00:00:36: Wie viel Wert kann die Polizei auf solche Zeugenaussagen legen?
00:00:42: Durchblick Die Wissenschaft
00:00:45: hinter den
00:00:46: Schlagzeilen.
00:00:50: Mein Name ist Yasin Werndt und ich möchte mir gar nicht vorstellen, was die Menschen am Wochenende anrufen mussten.
00:00:56: Sie haben um ihr Leben gekämpft, haben sich in Todesangstiegen versteckt oder sind geflüchtet.
00:01:02: Und dann sollten sie sich im Nachhinein nur all das Dramatische, was gerade passiert, erinnern – und zwar am besten gerade so, dass es der Polizei auch etwas nutzt!
00:01:12: Natürlich ist alles auch noch zu Nacht und im Dunkeln passiert, wo man sowieso nicht so gut sieht... Was macht das alles mit uns im Hirn?
00:01:21: Dass wir meinen Kollegen in Zereina Thamner genauer wissen wollen.
00:01:24: Darum reden Sie heute mit Susanna Niehaus, sie ist Professorin an der Hochschulhozern.
00:01:29: Sie ist Fachpsychologin für Rechtspsychologie und zertifizierte Forensische Psychologin.
00:01:37: Grüezi über Niehaus!
00:01:38: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für den Durchblick.
00:01:41: Guten Tag, hallo!
00:01:42: Wir gehen jetzt einmal etwas weg vom Fall Aarau und fokussieren uns auf Zeugenaussagen ohne Stress ... Wir gehen von aussichtläufend entspannter Strasse entlang.
00:01:52: Neben mir passiert ein Autoumfall, nichts wahnsinniges Schlimmes.
00:01:55: Keine Schwerverletzung oder Tote.
00:01:58: Mein Stresslevel ist wahrscheinlich eher tief.
00:02:01: Wie gut funktioniere ich in solchen Situationen als Augenzeugin?
00:02:05: Man muss natürlich sehen, wir haben ja keine Kamera im Kopf.
00:02:08: Also unsere Wahrnehmung ist grundsätzlich menschlich und begrenzt und wir erfassen nie so die gesamte Szenerie sondern immer nur ein Ausschnitt wenn überhaupt.
00:02:19: wir können auch auf was ganz anderes fokussiert sein.
00:02:21: also es hängt wirklich davon ab auch wie die Aufmerksamkeit ist wo ich gerade in dem Moment hingeschaut habe.
00:02:29: Und auch selbst wenn jemand jetzt ganz aufmerksam schaut kann's trotzdem sein dass er Details über sie oder falsch wahrnimmt.
00:02:38: Würden Sie aber sagen, wenn man ein tiefes Stresslevel hat, ist man tendenziell aufmerksamer?
00:02:44: Wie haben wir das zusammen?
00:02:46: Das kann man so nicht unbedingt sagen.
00:02:49: Es kommt jetzt wirklich drauf an, von was für einer Situation wir sprechen.
00:02:54: Stress kann störend sein, ein hohes Stresslevel bzw.
00:02:59: ein mittelgradiges Stresslevel kann aber dazu führen dass wir besonders gut wahrnehmen und es ist wirklich sehr, sehr situationsabhängig ob wir uns zum Beispiel gerade in einer akuten Bedrohungssituation selbst befinden.
00:03:13: das kann stressen Aber dazu führen, dass wir tatsächlich sehr fokussiert auf diese Bedrohungssituationen sind und die besonders genau und besonders gut wahrnehmen.
00:03:25: Dafür zum Beispiel das Drumherum nicht gut voranleben.
00:03:29: Also es ist wirklich situationsabhängig.
00:03:33: Hat man auch immer wieder, da gibt es ja zum Teil komplett verschiedene Erinnerungen.
00:03:37: oder die Situation kennen vielleicht viele.
00:03:40: Man glaubt beim Autounfall war das Auto rot und der Partner behältet aber nein, es ist blau gewesen.
00:03:46: Warum ist es so?
00:03:46: Warum speichere ich tatsächlich falsche Erinnerung ab?
00:03:51: Na ja, wir haben keine Videokamera im Kopf.
00:03:54: Wir haben alle unsere subjektiven Wahrnehmungen.
00:03:56: wie Sie schon sagen wenn wir verschiedene Leute fragen sehen sie es aus unterschiedlicher Perspektive.
00:04:01: Es hängt aber auch damit zusammen der eine achtet vielleicht da drauf und der andere achtet auf eine andere Sache.
00:04:07: Und es ist auch so, dass wir bestimmte Dinge – jetzt haben Sie den Autounfall erwähnt.
00:04:13: Das ist typischerweise ein Geschehen was sehr plötzlich kommt, was überraschend kommt und da kann es sein das sie eigentlich gar nicht hingeguckt haben Und das sind sogenannte Knallzeugen.
00:04:25: Die haben eigentlich gar nicht hingeschaut, dann passiert was sie hören den Knall und dann gucken Sie hin und sehen den Unfall und kann es leicht passieren dass diese Lücke die sie gar nicht wahrgenommen haben unbemerkt das Hirn ersetzt.
00:04:39: also dieser eigentliche Moment des Zusammenprals der Fahrzeuge den haben wir vielleicht gar nicht gesehen.
00:04:45: Wir haben erst im Moment des knalls überhaupt unsere Aufmerksamkeit auf die Situation fokussiert aber erfüllt dann diese Lücken unter Umständen mit plausiblen Inhalten.
00:04:58: Und dann kann es sein, dass wir im Nachhinein gar nicht mehr genau sagen, hat man jetzt das wirklich gesehen oder hat das Hirn einfach ersetzt?
00:05:06: Das kann sehr schwierig sein, genau!
00:05:09: Das ist ja was, was man nicht bewusst tut sondern so kleine Lücken werden gefüllt und man kann es dadurch versuchen auseinanderzuhalten.
00:05:20: ganz genau überlegt, worauf?
00:05:23: Was habe ich eigentlich gemacht in diesem Moment, in dem ich diesen Knall gehört habe?
00:05:28: oder habe ich da zum Beispiel gerade auf mein Handy geguckt.
00:05:31: Oder war es wirklich so dass ich von Anfang an auf diese Kreuzung geschaut habe und das gar nicht der Knall war, der meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet hat sondern ich hab vorher schon hingeguckt.
00:05:42: Das muss man rausfinden.
00:05:43: ja
00:05:44: Jetzt dann Faktoren Was beeinflussen, ob ich als Augenzeugin später richtig oder falsch lege?
00:05:53: Da gibt es ganz viele Faktoren.
00:05:56: Ich spreche jetzt von Ereignissen, die einen nicht unmittelbar selbst betreffen, sondern die man wirklich beobachtet.
00:06:02: Das spielt zum Beispiel die Entfernung vom ... von dem, was ich beobachtet haben soll eine Rolle.
00:06:09: Da spielt eine Rolle?
00:06:10: Wie waren denn die Lichtverhältnisse?
00:06:12: also war es dunkel oder war das hell beleuchtet?
00:06:15: wie gut hätte ich denn da überhaupt sehen können?
00:06:18: kann nicht überhaupt Farben angaben machen weil im Dunkeln dann wird alles.
00:06:24: Wenn es also Grauabstufung und so weiter.
00:06:27: Wie lange hat das Gestehen überhaupt gedauert?
00:06:29: Ist das eine ganz, ganz kurze Beobachtung, so ein hektisches Geschehen oder ist das ein längerer Ablauf den ich beobachtet habe?
00:06:38: Und das hatte ich eben schon erwähnt, wie es das?
00:06:41: worauf war meine Aufmerksamkeit eigentlich gerichtet.
00:06:44: War ich zum Beispiel eigentlich damit beschäftigt gerade im WhatsApp Chat zu schreiben oder hatte ich gerade Beziehungsstress und habe mir überlegt, Mensch wie kriege ich das jetzt wieder hin?
00:06:56: Oder habe ich überlegt was habe eigentlich morgen für ein Stress.
00:07:00: Also dass die Aufmerksamkeit kann ja gestört werden abgelenkt werden durch ganz viele Aspekte.
00:07:05: Das spielt eine große Rolle dabei, wie gut ich tatsächlich in der Situation selbst das Ganze wahrnehmen können.
00:07:16: Ja, das ist dann die Güte der Erinnerung, die natürlich davon abhängig ist.
00:07:22: Und vielleicht auch noch die Zeit?
00:07:23: Also je nachdem wie lang ist das schon her jetzt.
00:07:26: Das macht natürlich auch einen großen Unterschied was dafür ein Zeitabstand war und mit welcher Art von Fragen meine Aussage, also meine Erinnerungen sozusagen herausgeholt wurden.
00:07:42: Also sie würde schon sagen, je näheres Erreignis gestehst, desto besser.
00:07:46: Oder kann sich eine Erinnerung auch noch entwickeln?
00:07:49: Naja... Als Aussagepsychologischer Sicht erhöhe ich die Erinnerungsentwicklung nicht so gerne, muss ich sagen.
00:07:57: Also grundsätzlich ist es mal so, je mehr Zeit vergeht, destо mehr ... Details gehen normalerweise verloren, oder?
00:08:04: Also unsere Erinnerung verblasst ja eher im Laufe der Zeit.
00:08:08: Es gibt Erinnerungen die sind sehr einprägsam, wenn sie eine große Handlung, die wir erlebt haben zum Beispiel, die eine große Bedeutung für uns hatten, die bleiben schon sehr lange und sehr gut in Erinnerungs.
00:08:21: Aber grundsätzlich mit längerem Zeitablauf wächst die Gefahr dass ich Dinge langsam vergesse, dass spätere Informationen einfließen in die Aussage.
00:08:34: Das heißt also das was früh da ist sagen wir schon ist eigentlich die zuverlässigste Erinnerung.
00:08:41: und Aber einschränken muss man es tatsächlich ein bisschen, wenn ich jetzt sehr hoch gestresst bin unmittelbar nach einem Ereignis und direkt gefragt werde dazu.
00:08:51: Und bin noch in so einer wirklich extremen Ausnahmesituation dann wäre es sicherlich... besser, ich würde nicht in dieser Sekunde gefragt, sondern etwas später.
00:09:01: Deswegen kann man es nicht ganz pauschal sagen aber tendenziell ist das so dass wir eher vergessen.
00:09:06: Aber es ist schon so.
00:09:07: also würd jetzt auch sagen, dass es auch Fälle gibt wo man vielleicht Sachen auch verdrängt zu Beginn oder am Anfang oder Sachen irgendwie anders wahrnehmen und erst wenn man sich ein bisschen gesetzt hat und vielleicht eine Zeit vergangen ist, dass dann plötzlich wieder Erinnerungen können aufkommen wo man kurz nach einem Ereignis vielleicht gar nicht mehr daran denkt.
00:09:27: Das gibt es schon auch?
00:09:30: Na ja, also Verdrängung, Abspaltung und so gibt's eigentlich nicht wie wir das Alltagspsychologisch.
00:09:37: Es ist eine sehr verbreitete Annahme, dass das ganz üblich ist, dass wir in Stresssituationen das bedrohliche Nichtgut wahrnehmen.
00:09:46: Das ist tatsächlich so nicht richtig!
00:09:49: Bedrohliche Situation werden, wie gesagt, sehr genau wahrgenommen.
00:09:53: Aber wenn ich durch diesen Stress, den ich da hatte, also wenn ich wirklich Extremstress entlitten habe und bin total aufgelöst in so einem aufgelösten Zustand ist man nicht gut dazu in der Lage das abzurufen aus dem Gedächtnis was man gerade erlebt hat Und auch noch die Stunden danach.
00:10:08: Wenn ich wirklich traumatischen Stress erlebt habe dann ist mein Hirn Also in der Situation selbst nehme ich dass sehr genau war.
00:10:15: Das wird gut erst abgespeichert aber In den stunden danach ist mein hirn damit beschäftigt, das vertieft zu verarbeiten.
00:10:24: Also dass es wirklich vertieftig abgespeichert wird und dann ist das Gehirn gleichzeitig nicht gut dazu in der Lage das abzurufen.
00:10:31: Das heißt da sollte man ein paar Stunden warten bis sich das konsolidiert hat wie wir sagen.
00:10:35: Gibt's denn bestimmte Details von Ereignissen die sich Menschen besonders zuverlässig erinnern oder gibt es irgendwie Sachen anders gefragt wo vielleicht besonders Fehler anfällig sind?
00:10:46: Ja also... Wenn man was erlebt, was für eine persönliche große Bedeutung hatte.
00:10:54: Dann ist das etwas, was sicher gut in Erinnerungen bleibt.
00:10:57: Wir können uns auch ziemlich gut erinnern an Handlungsabläufe.
00:11:01: Also ein Geschehen, was wir beobachtet oder erlebt haben.
00:11:05: Auch so was, was besonders auffällig ist.
00:11:07: Besonders aufföllige Handlungen wo wir uns in der Sekunde schon gefragt haben, wieso macht da das denn jetzt?
00:11:13: Das ist etwas, dass besser erinnert wird also die Kerne Lernhandlung sozusagen, aber alles was so auf Schätzungen basiert.
00:11:23: Also die Dauer von irgendwas, die Entfernung Geschwindigkeit also wo wir schätzen müssen oder was so auch Beurteilungen basieren das ist viel viel Fehler Anfälliger.
00:11:36: Wie schwierig ist es dann wenn ich einen Aussag immer und immer wieder holen muss?
00:11:39: fange ich mir dann an irgendwann mal etwas zu reden?
00:11:42: Wenn man wiederholt etwas gefragt wird, dann führt das nicht automatisch irgendwie zu einer falschen Erinnerung oder so.
00:11:49: Aber es kann natürlich so ein Effekt entstehen dass man sich das abschleift.
00:11:53: oder wenn ich ganz häufig was zur selben Sache erzählen muss, dass ich ein bisschen Abschleifungseffekte habe oder es kann auch dazu führen, dass sich vielleicht langsam im Laufe der Zeit anfangen etwas mehr zu puhentieren.
00:12:06: Problematisch wird es aber vor allen Dingen dann, wenn wiederholt so suggestiv, also beeinflussend gefragt wird.
00:12:12: Wenn irgendwie neu Informationen eingebracht werden die ich gar nicht selbst genannt habe oder wenn jemand zu was gefragt wird der eigentlich gar keine Erinnerung daran hat.
00:12:24: das sind zum mehr die problematischen Situationen und da kann sein tatsächlich dass man im laufe der zeit seine Version verändert, dass sich Erinnerungen neu bilden und so.
00:12:34: Aber alleine weil ich etwas tatsächlich erlebt habe und muss wiederholt dazu aussagen entstehen nicht irgendwie falsche Erinnerung sondern schleift sich eher im Lauf der Zeit.
00:12:46: Und dann kann man sich ja gleich fragen.
00:12:48: Das ist auch genau eine Szenario, die Sie beschreiben, wo man so kennt klassischerweise Verzügebefragungen bei der Polizei oder wo man sehr oft Sachen wieder sagen muss und vielleicht noch Informationen dazu kommen.
00:12:58: Warum sind denn solche Zeugenaussagen für die Ermittlungen trotzdem so wichtig?
00:13:02: Naja wir haben in ganz vielen Fällen ... sind wir darauf angewiesen.
00:13:06: Wir haben ja also entscheidende Hinweise von Zeugen zu bekommen, zum Ablauf zu beteiligten Personen die vielleicht auch irgendwelche Ermittlungsansätze, die noch gar nicht weiß wer eigentlich verdächtigt ist bringen und die dann zu weiteren Beweisen... führen.
00:13:24: und von daher haben wir viele Verfahren, in denen sie unverzichtbar sind.
00:13:27: Vor allen Dingen auch bei vier Augendelikten das sowieso.
00:13:30: oder da sind wir auf Aussagen komplett angewiesen.
00:13:34: aber im Ermittlungsverfahren wird es natürlich nicht isoliert betrachtet sondern immer mit anderen Beweismitteln abgeglichen die noch sind also andere Aussagen auch harte Fakten sozusagen die man hat dass muss man hinter dem Verfahren ja dann alles zusammenbringen.
00:13:51: Und wie schwierig ist es, so Zeugenaussagen überhaupt richtig inzuschätzen?
00:13:56: Wir haben vorhin ein bisschen das angedeutet, also nicht danach wie sicher jetzt jemand auftritt.
00:14:02: Ob jemand überzeugend auftritt?
00:14:04: Das ist eigentlich kein Richtwert.
00:14:07: Selbstbewusstsein ist so kein verlässliches Zeichen dafür dass es richtig ist was gesagt wird sondern ganz entscheidend sind wirklich diese Beobachtungsbedingungen.
00:14:15: auf die muss man fokussieren.
00:14:17: Also inwie gut konnte die Person das denn in der Situation wahrnehmen und dann... entstanden, was gab es für mögliche Einflüsse nach dem Ereignis?
00:14:28: Das sind die Möglichkeiten das einzuschätzen wie verlässlich das ist.
00:14:32: Wenn
00:14:32: wir jetzt den Fall auch noch einmal führen nehmen, dort ist ganz klar Stress dazukommen bei diesen Zügen und Zeugen wo das data miterlebt haben vielleicht auch angst.
00:14:41: Wie verändert sich diese Situation wenn Stress und Angst dazu kommen?
00:14:45: Also kann natürlich zum einen auch zu Fluchtverhalten führen und dass die Aufmerksamkeit überhaupt nicht mehr auf die Situation gerichtet ist, sondern auf diese... ...auf die Fluchtmöglichkeit.
00:14:55: Das würde natürlich die Wahrnehmung der Szenerie einschränken.
00:14:59: Wenn das nicht der Fall ist dann kann es sein, dass sich die Wahrneehmungen wirklich durch Hochstress einfach weiter verengen also konzentrieren auf den besonders bedrohlichen Aspekt und das ganze Drumherum weniger gut wahrgenommen wird.
00:15:12: was vielleicht auch noch relevant hält Das hätte jetzt für Ermittlungen, was wir typischerweise kennen ist der sogenannte Waffeneffekt.
00:15:20: Also das ist wirklich dieses ganz bedrohliche Gegenstand auf den hier Aufmerksamkeit sich fokussiert.
00:15:27: Jetzt natürlich auch voraus dass man die überhaupt gesehen haben kann.
00:15:31: da sind wir wieder bei den Wahrnehmungsbedingungen.
00:15:33: wenn sie jetzt ARO ansprechen das war soweit ich mitbekommen habe nachts oder es ist dunkel das passiert alles hektisch dann in einer Massenpanik möglicherweise die ja die Wahrnehmungsbedingungen noch einmal verschlechtert, oder?
00:15:48: Also das macht es alles sehr, sehr schwierig.
00:15:50: Und was macht's her?
00:15:51: nicht so eine Situation, kann es auch sein, dass es wieder einen Shutdown gibt?
00:15:54: Das ist – wenns ganz extrem wird – auch möglich grundsätzlich... Es ist wie gesagt so, wenn man gestresst ist sich bedroht fühlt das es auch das durchaus verbessern kann die Wahrnehmung.
00:16:06: Aber wenn's jetzt so extrem überflutet ist mit Stress dann kennen wir Reaktionen auf wie Freezing vom Gesamtkörper und das führt zwar nicht dazu dass das Gehirn einfriert gleichermaßen aber das kann zu einer Tunnel-Wahrnehmungen also zu einer sehr starken Tunnelwahrnehnung führen unter Umständen nicht überfordert ist von der Situation, auch dazu führen, dass gar nicht mehr so richtig wahrgenommen wird.
00:16:33: Aber dann werden diese Informationen auch nicht zuverlässig abgespeichert.
00:16:39: Das heißt sie können dazu hinterher keine vernünftigen Angaben mehr
00:16:42: machen.".
00:16:43: Und eben Sie sagen da in so einer Stress- und Angstsituation ist es dann auch eigentlich relativ einfach erklärbar, warum es dann zu unterschiedlichen Zügen aussagen?
00:16:51: Auch Hund oder von den vereinzelten Leuten!
00:16:54: Ja, die Unterschiedlichkeit der Zeugenaussagen ergibt sich aber wirklich schon daraus.
00:16:57: Dass jeder eine andere Perspektive hat.
00:16:59: Jeder stand gerade an einer anderen Stelle und hat auf was anderes geachtet.
00:17:04: Einer hat etwas gehört und gesehen.
00:17:06: Der Andere hat nichts gesehen.
00:17:08: Also hier haben wir wirklich sehr schwierige Wahrnehmungsbedingungen wahrscheinlich unterschiedliche Positionen, unterschiedliche Ablenkungsfaktoren auch Fähigkeiten irgendwas zu beobachten.
00:17:18: also dass das unterschiedlich sehr unterschiedlich ist wundert mich nicht.
00:17:23: Und trotzdem, Sie haben vorhin gesagt, Stress kann tatsächlich auch dazu führen, dass man viel fokussierter ist.
00:17:29: Dass man Sachen wirklich klarer wahrnimmt.
00:17:34: Das kann in so einer Situation auch helfen, wenn man plötzlich diese Klarheit hat und dann eben nicht panisch reagiert sondern schon irgendwo durch automatisch das Richtige macht quasi.
00:17:49: Kommt das vor?
00:17:49: Ja!
00:17:51: Das ist möglich, dass man automatisch das Richtige macht.
00:17:54: Und es ist auch wenn man jetzt nicht total in Panik gerät wirklich so, dass sich die Aufmerksamkeit kurzfristig genau auf diese bedrohliche Situation sehr fokussieren kann und dass man sehr gut hinterher dazu Angaben machen kann.
00:18:11: Wie soll die Polizei vorgehen nach so einem Ereignis?
00:18:15: Das hat gesagt, wenn man zum falschen Zeitpunkt befragt kann es sein, dass man noch andere Informationen überkommt.
00:18:21: Also wie soll die Polizei vorgehen, damit man Zeugen nach so einer dramatischen Erreignisse tatsächlich nutzen kann und dass wir auch ihr Erinnerungsvermögen für seine Arbeit nutzen
00:18:33: können?
00:18:34: Also wichtig ist, dass eine ganze ruhige Situation geschaffen wird dafür.
00:18:38: Eine ruhige Gesprächsführung und das ausreichend Zeitgegeben wird.
00:18:44: Dass auch Verständnis da ist für diesen psychischen Ausnahmezustand.
00:18:50: Und dann wissen wir, dass alles was frei berichtet wird zuverlässiger ist als das, was auf Fragen kommt.
00:18:57: Das heißt die Person, die sollte frei Und ganz genau und ausführlich erzählen, also kleinschrittig.
00:19:04: die eigenen Wahrnehmungen sollten möglichst wenig fragen oder Erzählaufforderung folgen.
00:19:11: Die sind dann offener sie dürfen nicht eine Antwort nahe legen oder so.
00:19:15: Das muss alles sehr gut dokumentiert sein aber wirklich in einem sicheren Rahmen.
00:19:20: Wenn jemand aufgelöst ist das sicher nicht eine gute Situation.
00:19:24: Aber das hat natürlich das Problem wenn man es eilig hat.
00:19:26: Man braucht Ermittlungsansätze.
00:19:28: Man weiß noch gar nicht wer ist eigentlich der Täter und ist darauf angewiesen, ganz schnell an Informationen zu kommen.
00:19:35: Dann ist es wichtig wenigstens einen sicheren Rahmen zu schaffen dass die Person Sicherheit haben kann jetzt bin ich gerade nicht bedroht in dieser Situation bin ich sicher und dann zu versuchen möglichst genau ihre Erinnerung auch zu rufen.
00:19:50: Also anders gesagt kann man sagen wenn wir in der Situation den Druck wo man hat unmittelbar den Zügen oder dem Züge weiter geht dann kommt man wahrscheinlich nicht auf ein gutes Ergebnis.
00:20:00: Das ist ein sehr schöner Zusammengefass.
00:20:04: Freilich, ich danke Ihnen ganz herzlich für das spannende Gespräch!
00:20:08: Danke, dass Sie sich wieder durchblickt
00:20:10: haben.
00:20:11: Danke an.
00:20:13: Hast du auch schon mal eine Zeugenaussage machen müssen und hast deine eigenen Erinnerungen vielleicht nicht so richtig getraut?
00:20:20: Oder hat er sonst die Siren entstreicht gespielt und falsche Erinnerung abgespeichert?
00:20:25: Verzähl uns doch in den Kommentaren.
00:20:27: Und wenn dir die Folge gefallen hat, dann würde ich mich über ein Abo von dir verheuern.
00:20:31: Mein Name ist Yasin Wärmli und danke fürs Zuhören.
00:20:34: und bis zum nächsten Mal!
00:20:37: Durchblick – Die Wissenschaft hinter den Schlagzeilen.